Bürokratiemodell

Bürokratiemodell

Ein weiterer Ansatz zur Erklärung organisationaler Trägheitskräfte ist das Bürokratiemodell. Neben der Verwaltung auf den unterschiedlichen Ebenen sind ausgeprägte bürokratische Strukturen in praktisch alle mittleren und größeren Unternehmen, aber auch in Einrichtungen der öffentlichen Hand, im Sozial- und Gesundheitsbereich und in vielen anderen Bereichen vorzufinden. Dabei sind die Führungen häufig als zentralistische Verwaltungen konzipiert. 

                 „Die theoretische Grundlage bürokratischer Organisationen ist das Bürokratiemodell von Max Weber“. 
                 (Weber/Wickelmann 1921; Siegler 1999, S. 188) 

Weber sieht in Strukturen, die bürokratisch organisiert sind, eine reine Form legaler Herrschaft und grenzt damit sein Modell von früheren Herrschaftsmodellen (willkürlich oder personenzentriert) ab.


Kennzeichen

Kennzeichen des, von Weber idealtypisch beschriebenen Bürokratiemodells sind z.B.

  • Arbeitsteilung
  • Entscheidung auf der Basis von Fachwissen
  • hierarchische Struktur ohne Querverbindung innerhalb der Organisation
  • Vorgangsdokumentation und Ablage (Aktenmäßigkeit)
  • rationale, personenunabhängige Entscheidungen aufgrund entsprechender Regeln
  • finanzielle Unabhängigkeit des Personals


Dysfunktionalitäten

Neben vielen Vorteilen gegenüber früheren Herrschaftssystemen zeigt dieses Modell eine Reihe von Effekten, die sich in der organisationalen Gegenwart eher als dysfunktional herausstellen. 

                  „Ein Schwerpunkt liegt auf der Erschwerung und Vermeidung von Flexibilität und Dynamik. Die Turbulenz des 
                  betrieblichen Umfeldes, mit der Notwendigkeit diese Turbulenzen durch Dynamik und Flexibilität im Unternehmen 
                  ausgleichen zu können, lassen das Bürokratiemodell und bürokratische Sturkturierungsprinzipien als ungeeignet 
                  erscheinen.“ (ebd, S. 189)

Als weitere Dysfunktionalitäten werden in der Literatur z.B. folgende genannt (ebd., S. 189; vgl. auch Bosetzky 1976; Kieser 2002):

  • Vermehrung von Personal/Dienststellen
  • Fortbestand an sich funktionsloser Stellen
  • übermäßig viele Vorschriften und Regeln
  • Regelbefolgung als zentralter Maßstab
  • Überbetonung der Dokumentation
  • Schwerfälligkeit bei Entscheidungen
  • Abschiebung von Verantwortung
     

Fazit

Das Bürokratiemodell in seiner idealen Form ist ein Konzept, das Herrschaft und damit Machtausübung und Entscheidungsfindung in einem transparenten, regelgeleiteten und personenunabhängigen Verfahren ermöglichen und legitimieren kann. Dabei wird besonderer Wert auf Rechtmäßigkeit und Verlässlichkeit gelegt.
 
Schwierigkeiten bekommen Organisationen mit ausgeprägten bürokratischen Strukturen dann, wenn sie sich aufgrund von häufigen und sich massiv ändernden Umweltbedingungen schnell und immer wieder anpassen oder grundlegend verändern müssen. Einer dafür notwendigen Flexibiltät steht das eher starre und beharrliche bürokratische System in vielen Fällen erschwerend im Wege.
 

Verwendete Literatur:

Bosetzky, H. (1976), Zur Erzeugung von Eigenkomplexität in Großorganisationen, in: Zeitschrift ftir Organisation 1976, S. 279-285

Kieser, Alfred (Hg.) (2002): Organisationstheorien. 5., unveränd. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer.

Siegler, Oliver (1999): Die dynamische Organisation: Grundlagen - Gestalt - Grenzen. Wiesbaden s.l: Deutscher Universitätsverlag. (= Springer eBook Collection Business and Economics).

Weber, Max/Wickelmann, Johannes (1921): Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen: Mohr (Siebeck).

 

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