Definition
In der Schrumpfungsforschung gibt es keine allgemein anerkannte Definition für eine schrumpfende Organisation. Das Schrumpfung einer Organisation wird stattdessen, je nach Forschungsinteresse unterschiedlich definiert.
Diese Definitionen beziehen sich z.B. auf
- die Verringerung einer organisatorischen Größe wie z.B. des Vermögens oder des Personals
(Whetten 1980 & 1987; Cameron et al. 1987b; McKinley et al. 2014),
- eine Phase im Lebenszyklus einer Organisation (Quinn und Cameron 1983),
- die interne Stagnation oder Ineffizienz (Whetten 1980a),
- das Nichterkennen von internen oder externen Signalen für eine notwendige Veränderung (Levy 1986) und
- das Versagen, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen (Greenhalgh 1983).
(Details zu den Literaturangaben finden Sie hier)
Aufgrund dieser uneinheitlichen Forschungslage musste ich für meine Untersuchung eine eigene (Arbeits-)Definition für eine schrumpfende Organisation erstellen.
Daneben finden Sie einen noch weitergehende definitorische Beschreibung, was grundsätzlich unter einer organisationalen Schrumpfung verstanden werden könnte.
Schrumpfende Organisation
Die folgende Definition wurde von mir aufgrund einiger, in der Dissertation genauer beschriebener Arbeitsschritte entworfen. Sie bezieht sich im Gegensatz zu den oben kurz angedeuteten älteren Definitionen insbesondere auf den Bereich der Nonprofit-Organisationen.
"NPOs gelten als schrumpfende oder geschrumpfte NPOs, wenn sie über einen längeren Zeitraum merklich weniger Ressourcen (Finanzen, Mitarbeitende, räumliche und materielle Ausstattung) zur Verfügung haben, merklich weniger Angebote/Dienstleistungen (z.B. Veranstaltungen, Beratungsangebote, Öffnungszeiten,Öffentlichkeitsarbeit) machen können, oder merklich weniger in Anspruch genommen werden (z.B. sinkende Teilnehmendenzahlen, Ausfall von Angeboten)."
In Anlehnung an Cameron (vgl. McKinley et al. 2014) wurde als Richtschnur für eine vorhandene Schrumpfung von einem „längeren“ Zeitraum von mindestens zwei Jahren
ausgegangen.
Für die Definition eines „merklichen“ Rückgangs von Ressourcen,Angebot und Inanspruchnahme gibt es in der Literatur bisher keine veröffentlichten Anhaltspunkte. Um Rückgänge im Rahmen normaler Schwankungen möglichst auszuschließen, sollten diese deshalb meiner Ansicht nach mindestens in einer Größenordnung von etwa 15 – 20 % liegen.
Organisationale Schrumpfung
Auf dem Hintergrund der aktuellen innerkirchlichen Diskussion über "Exnovation" besteht die Notwendigkeit, genauer auf den Begriff zu bringen, was unter einer organisationalen Schrumpfung zu verstehen ist und in welchem Verhältnis "Exnovation" und organisationale Schrumpfung stehen.
Mein Vorschlag zu Definition einer organisationlen Schrumpfung lautet:
"Eine organisationale Schrumpfung kann in zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen der Schrumpfung eingeteilt werden:
- Die ungewollte/ungeplante Schrumpfung
Diese Form kommt gewissermaßen "überraschend" auf die Organisation zu. Sie ist weder geplant noch gewollt und wird deshalb als Störung des Systems oder als Krise wahrgenommen.
Die Ursachen dieser Schrumpfungsart können sowohl externe als auch interne Problemlagen oder Veränderungen sein, auf die in der Organisation nicht oder nicht richtig reagiert wird bzw. nicht oder nicht richtig reagiert werden kann. Die Schrumpfung ist also eine Folge maßgeblicher externer und/oder interner Veränderungsbedingungen.
- Die strategische Schrumpfung
Hier geht es um eine bewusst geplante, also um eine gewollte und, soweit wie möglich, gesteuerte Schrumpfung. Wie der Name sagt, verbindet die Organisation mit dieser Art der Schrumpfung eine bestimmte Strategie, verfolgt damit also definierte Ziele (wie z.B. das Freisetzen von gebunden Ressourcen für neue Projekte oder die Konzentration auf einige wesentliche Hauptaufgaben)."
Aus meiner Sicht hat eine "Exnovation" somit eine große Nähe zu einer "strategischen Schrumpfung". Allerdings ist sie grundsätzlich von einer ungeplanten/ungewollten Schrumpfung zu unterscheiden, da die Entstehens- und damit auch die Umgangsbedingungen gänzlich andere sind.