Ein Fazit
Aus den bisher vorgestellten Untersuchungsergebnissen ziehe ich folgendes Fazit:
ü Eine organisationale Schrumpfung ist ein anstrengender und schmerzhafter Prozess,
muss aber nicht unmittelbar in eine Katastrophe führen – eine Schrumpfung kann „gelingen“.
ü Bei der Bewältigung kommt es auf die Grundhaltung an - es macht einen Unterschied,
ob Katastrophen-, Notwendigkeits- oder Chancenbilder handlungsleitend sind.
ü Der bisher dominante Leitgedanke in der Entwicklung von Organisationen „Wandel durch Wachstum“
ist einseitig und greift zu kurz.
ü Ein organisationaler Entwicklungsraum benötigt auch Stabilität und Schrumpfung.
ü Unter diesen Voraussetzungen kann man eine Schrumpfung als einen „normalen“ Aspekt
im Wandel von Organisationen bezeichnen.
Schlussfolgerung 1
Organisationsentwicklung zwischen Wachstum & Schrumpfung und Stabilität & Wandel
Bisher wurde die Entwicklung von Organisationen relativ einseitig am Wachstum und einer, immer mehr darauf ausgerichteten Bereitschaft zur "ständigen" Veränderung ausgerichtet.
Damit wurde das Konzept der "Lernenden Organisation" zu einseitig interpretiert, was im Extremfall zu einem "chronically unfrozen system" (Weick 1977) und somit zu einer strukturlosen Organisation führt. Eine Organisation, in der alles immer im Fluss ist, bietet keine Orientierung und Verlässlichkeit mehr. Das hat zur Folge, dass ein effektives Arbeiten in der Organisaiton erschwert werden kann. Von daher ist davon auszugehen, dass eine Organisation immer auch Stabilität bzw. "temporär stabile Regeln bzw. Strukturen" (Pietsch und Scherm 2007) braucht.
Sieht man Schrumpfungsprozesse nicht nur als Katastrophe, sondern als eine zwar schmerzhafte, aber dennoch „normale“ Entwicklungsphase und erkennt zusätzlich an, dass Organisationen neben Veränderung immer auch Stabilität benötigen, ergibt sich für Organisationen ein größerer und flexiblerer Entwicklungsraum.
Dieser Entwicklungsraum spannt sich zwischen den beiden Polaritäten "Wachstum & Schrumpfung" sowie "Wandel & Stabilität" auf. Innerhalb dieser großen Spannweite sind zur Entwicklung einer Organisation in die Zukunft hinein immer wieder Pendel- und Ausgleichsbewegungen zwischen den Polaritäten möglich und auch notwendig.
(Details zu den Literaturangaben finden Sie hier!)
In der nachfolgenden Grafik wird dieser Entwicklungsraum als dynamisch immer wieder auszubalancierender Bereich (grün) dargestellt. Werden die Polaritäten stattdessen einseitig zu sehr ausgeweitet, kann es zu Störungen im System kommen, die letztlich bis hinein in eine existentielle Krise führen können. Damit wird aufgezeigt, dass letztlich jede übertriebene Einseitigkeit, sei es zu extemes Wachstum, zu exteme Schrumpfung, zu extreme Veränderung oder zu extreme Stabilität eine Organisation in existentiell gefährden kann.
